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Batbaian Dreki Hengest Janis Lars Marcas Snjoka Tjorwig Vargur
Lars Jorsteinson son Inflamar
Alles begann im Jahr des Herren 946

...und zwar in Norwegen. Mein Vater war ein Freier, mit Namen Jorstein. Er lebte und arbeitet am Hof des Thegn Hrangnar. Dort war das Leben fein. Ein milder Herr, die Arbeit erträglich, immer genug zu Essen… meine Kindheit war schön. Ich lernte den Bogen zu führen, zu schwimmen und zu jagen. Es gab wenig harte Worte und schon früh durfte ich selbstständig hinaus aufs Meer. An einem Tage befiel mich dabei ein großes Unglück! Ich war gerade einmal 14 Sommer alt, als ich entgegen dem Rat meines Vaters mein kleines Boot nahm und hinaus fuhr. Ich hatte Brot und Käse dabei, eine große Flasche mit feinem Met und mein Angelzeug – und außerdem den Kopf voller Stolz! Sollte mich das bisschen Wind etwa an einem Ausflug hindern? War ich nicht stark, gewand und sehr geschickt im Umgang mit meinem Boot? Also fuhr ich hinaus – und geriet in einen schlimmen Sturm. Es blies aus Norden und Njörd hatte keine Gnade. Ich wurde weiter und weiter abgetrieben, immer weiter gen Süden und hinaus aufs Meer. Ich kämpfte gegen die Wellen, gegen den Wind, die Kälte… so lange, bis ich vor Erschöpfung in einem tiefen Schlaf fiel.

Als ich wieder zu mir kam blies ein steter Wind aus Nordost… doch wohin trieb er mich? Mein Boot war halb mit Wasser voll, also begann ich es erst einmal leer zu schöpfen. Am Abend aß ich mein letztes Brot, aber Hoder ließ mich einen großen Fisch fangen. So verhungerte ich nicht. Doch war kein Land in Sicht! Der Wind blies, Tag aus Tag ein, viele Tage lang – ich verlor das Gefühl dafür, welcher Tag war. Ich angelte, manchmal hatte ich zu Essen, es regnete, ich trank… und trieb auf dem Meer. Bis an einem Morgen eine grüne Küste vor mir erschien! Ich war gerettet! Ich richtete den Bug auf das Land, ruderte, setzte den letzten Fetzen Segel und am Abend hatte ich den Strand erreicht. Ich dankte allen Asen und Vanen, stieg aus dem Boot, fiel der Länge nach hin und schlief ein. Auf festem Land….

Ich wurde sehr rüde geweckt! Kleine dunkle Männer mit Hosen und Mänteln aus karierter Wolle und Speeren in der Hand standen um mich herum und redeten in einer hässlichen Sprache miteinander. Sobald ich mich von dem Schrecken erholt hatte, begrüßte ich sie. Doch ich hatte noch keine acht Worte gesprochen, da schlug mich der größte dieser Rüpel mit seinem Speer über den Kopf – wieder wurde es schwarz um mich.

Das nächste Aufwachen tat mehr weh… mein Schädel brummte schlimmer als nach dem größten Fest, ich hatte Hunger und Durst… und die karierten Kerle hatten mich zu allem Elend noch gefesselt! Als sie sahen und hörten, dass ich wach war, setzten sie mich auf, gaben mir Wasser und redeten in ihrer Sprache zu mir. Leider verstand ich kein Wort. Oder zum Glück… sagten sie mir doch, wie ich später erfuhr, dass sie mich in Dyvvlin als Sklave verkaufen wollten! Doch zuerst sah ich nur ihr Grinsen, hielt es für ein Lächeln, lachte sie an, und wurde wieder gestärkt. So ging es einige Tage lang. Sie gaben mir zu essen, Wasser, wuschen mich und brachten mich dann nach Süden. Ich ahnte inzwischen, dass es mich nach Irland verschlagen hatte. Am Hofe eines irischen Königs (nichts weiter als ein Jarl bei uns, dazu noch kein mächtiger!) machten sich meine Fänger einen Spaß mit mir. Sie waren besoffener als die Rus, banden mich mit etwas Spielraum an einem Pfosten und schossen aus 30 Schritt Entfernung mit Pfeilen nach mir. Doch ich hatte die Hände frei und so fing ich den ersten, den zweiten, den dritten und auch die weiteren Pfeile! Das beeindruckte sie sehr. Auch diesen König. Er kaufte mich von meinen Häschern ab (zu einem lächerlichen Preis, nur mal so bemerkt!). Er hatte meine Geschicklichkeit gesehen und da sein Gaukler langsam alt wurde, sah er in mir den Nachfolger des alten Akrobaten. Der Jarl gab mich also bei Fhinnigan Ap Finnhein in die Lehre. Oh, was war dieser Fhinnigan für ein Scheusal! Er gab mir zu wenig zu Essen, sagte ich sei zu fett (so ein Unsinn!), zu grob, zu ungeschickt… er schlug mich, aber: Er brachte mir auch das Gaukeln bei! Und das Spielen mit dem Feuer – hierin war ich besonders gelehrig. Mehrere Jahre bleib ich bei diesem Jarl, lernte notgedrungen die Sprache der Iren und sann die ganze Zeit auf Flucht. Doch sie sperrten mich nachts ein, bewachten mich und ließen mir keine Möglichkeit, zu fliehen. Doch an einem Abend, ich war inzwischen über zwanzig Sommer alt, sah ich meine Chance. Fhininnigan war inzwischen gestorben, irgendwie betrauerte ich seinen Tod doch, und ich sollte an diesem Abend bei der Hochzeit einer Tochter des Jarls gaukeln. Ich tat es. Auf dem Höhepunkt der Feier sollte ich Feuer spielen. Ich tat es gerne und so gut, dass die Halle des Jarls zu brennen begann… ein schönes Feuer, das sich rasch in dem trockenem Holz ausbreitete. In der Verwirrung, während die Betrunkenen durcheinander liefen und schrieen, rannte ich. Weg! Einfach fort. Ich wollte nur wieder frei sein! Und es gelang mir. Niemand verfolgte mich. Ich ging nach Süden, nach Dyvvlin, dahin wo Landsmänner von mir sein sollten. Ich versteckte mich am Tag, wanderte bei Nacht, stahl Essen von einsamen Höfen, trank aus Bächen und gelangte nach vielen Tagen nach Dyvvlin. Und wirklich – es gab dort Landsmänner. Nur die falschen! Es waren Dänen. Und sie hatten nichts Besseres zu tun, als mich mit Met abzufüllen, mir alles Mögliche zu versprechen und mich, da ich kein Kämpfer war, als Sklave auf ein Schiff zu schleppen. Sie fuhren ins Land der Araberen, nach Al’Andaluz. Dort sagten sie mir, würde ich ein gutes Leben leben können – nur ohne mein Gemächt. Ich fand diese Vorstellung, anders als die Dänen, nicht lustig. Als wir dort ankamen, in einem Hafen weit im Süden, brachten sie mich zu einem Handelsplatz für Sklaven. Tage später wurde ich gewaschen und mit Öl eingerieben, um auf dem Markt einen guten Preis zu erzielen. Viele Menschen waren da, schwarze, braune und auch große blondhaarige Männer aus dem Norden. Ich wehrte mich, sagte, ich würde das Feuer über sie bringen – doch niemand schenkte mir Beachtung. Außer einem Hünen aus dem Norden, reich gekleidet und in Begleitung zweier Männer, denen man den Kampfgeist förmlich ansah. Er fragte mich, wer ich sei, und wo ich herkäme. Ich antwortete ihm, froh wieder wie ein Mensch behandelt zu werden. Doch dann begann der Sklavenhandel… aufgrund meiner Gaukelkünste und der Feuerspielerei priesen sie mich als „Inflamar“ an, den Entzünder. Der Hüne beobachtete das Ganze von Ferne. Als der Anführer der Dänen mich dann den Braunen anpries, ging der Hüne zu ihm hin. Die beiden begrüßten sich und wie mir schien, hatte der Däne einen großen Respekt vor dem Hünen. Die beiden redeten und schließlich flüsterte der Hüne dem Dänen etwas ins Ohr. Der Hüne lächelte immer noch, doch der Däne wurde sichtbar bleich. Auch die beiden Begleiter des Hünen hatten ein Grinsen im Gesicht, das mich irgendwie an Wölfe in Spiellaune erinnerte….

Auf jeden Fall kam der Däne zu mir, durchschnitt meine Fesseln und sagte: “Geh, und dass ich dich niemals mehr wieder sehe! Inflamar bedeutet wohl doch „Unglücksbringer“. Ich ging. Sofort - und zwar zu dem Hünen, da ich neugierig war, was dieser wohl gesagt hatte und um ihm zu danken. Er stellte sich als Hengest Gudarson vor, der Sommervogel, und seine Begleiter als den Schwarzen Batbaian und Vargur. Er bot mir an, mich nach Hause zu bringen, aber nur, wenn ich für ihn Feuer speien würde… nichts leichter als das! Ich gaukelte und feuerte wie noch nie zuvor! Hengest war tief beeindruckt. Er hielt sein Wort und brachte mich heim nach Norwegen…

Wir schieden als Freunde. Jetzt, wo ich soviel von der Welt gesehen habe, zieht es mich wieder in die Ferne, die Heimat ist doch sehr eng geworden… und das Schiff von Hengest ist niemals so weit weg….

Name: Lars Krenzin
Wohnort: Kaiserslautern
Forumsname: Inflamar